1. deutsch

Bach, Carl Philipp Emanuel (1714-1788)

[HelB 663, Wq 183/1] Simphonie in D dur von C.P.E. Bach. - Partitur, Manuskript (Abschrift).

[ca. 1780-1830]

EUR 1.800,00

Querformat 27x33 cm, 19 Seiten, Notenhandschrift auf 16-zeiligem Notenpapier, Titelblatt gestempelt "F. Commer", in der Ecke signiert "Conradi 1839". Seiten gebräunt, unbeschnitten, Fadenbindung, kleine Läsuren, mittig mit Faltspur.

Bislang unbekannte Abschrift der Partitur, die interessante Einblicke in das zeitgenössische Verständnis der Werke von Carl Philipp Emanuel Bach bietet. Das Manuskript, vermutlich aus den (gedruckten oder handschriftlichen) Stimmen zusammengestellt (spartiert), zeigt einen moderneren "klassischen" Zugang zu dem Werk und unterscheidet sich in wesentlichen Einzelheiten von der Originalpartitur: es fehlt die Idee des Basso continuo, das Fagott steht nicht bei der Bassgruppe, sondern unterhalb der Oboen, es fehlt das im Original angegebene Clavier und die Bassbezifferung, für den Bass selbst gibt es nur eine mit dem Violoncello geteilte Zeile. Die beiden Hörner sind nicht mehr prominent in den ersten 2 Zeilen, sondern unterhalb des Fagotts. Während CPE Bach entsprechend seiner Idee der "zwölf obligaten Stimmen" jede Stimme in eine eigene Zeile schreibt, sind hier die 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Hörner, sowie Violoncello und Bass jeweils in einer Zeile zusammengeschrieben, was nicht nur eine platztechnische Angelegenheit ist (sodass nun 2 8-zeilige Systeme auf einer Seite sind), sondern auch die Besonderheit der konzertierenden individuellen Instrumente nivelliert. - Der Erstdruck der Stimmen der 4 "Orchester-Sinfonien mit zwölf obligaten Stimmen" (Friedrich Wilhelm von Preussen gewidmet) erschien bei Schwickert in Leipzig 1780, es dauerte aber 80 Jahre, bis die Partitur erstmals gedruckt wurde (1860 bei Peters). - Die beiden Besitzeinträge auf dem Titelblatt sind sehr interessant: Der aus Köln stammende Kirchenmusiker und Musikforscher Franz Commer (1813-1887) studierte und forschte ab 1832 in Berlin, u.a. auch in der Sammlung der Bibliothek des Königlichen Musikinstituts, die auf die wertvolle Bibliothek des Bach-Forschers Johann Nikolaus Forkel zurückgeht. Möglicherweise stammt diese Abschrift aus diesem Umfeld. - Der spätere Lisztassistent August Conradi (1821-1873) studierte einige Jahre nach Commer in Berlin bei den gleichen Lehrern Komposition, Orgel und Klavier, vermutlich kannten sich beide und Conradi übernahm das Manuskript 1839 von Commer.

Bestellnummer : 18858