1. deutsch
Goethe zensiert

Reichardt, Johann Friedrich (1752-1814)

Lieder geselliger Freude. Herausgegeben von Johann Friederich Reichardt. (Erste Abtheilung): Frühlingslieder. Sommerlieder. [ERSTAUSGABE, zensiertes Exemplar. Mit Liedern von Kunzen (2), Spazier (2), Naumann (2), Reichardt (24), Schulz (12), Schwenke (2), Seidel (2), Seidelmann (1), Zelter (1)].

Leipzig, Gerhard Fleischer, 1796

EUR 450,00

19x12 cm, mit gestochenem Frontispiz von Christian Friedrich Stoelzel nach Schnorr von Carolsfeld d. Ä. und 49 (von 50) meist gefalteten Musikbeilagen (ohne Musikbeilage Nr. 10 "Wasserlied"). Textdruck: XVI S., S. 1-34, 37-46, 51-74, 81-100, 103-119. (es fehlen die S. 35/36, 47-50, 75-80 und 101/102). Halblederband der Zeit auf 5 Bünden, mit etwas Rückenvergoldung und 2 Rückenschildern. Einband etwas berieben, bestoßen und beschabt, winzige Fehlstellen am oberen Kapital, 1 Rückenschild mit kleiner Randfehlstelle, Vorsätze sowie erste und letzte Blätter leimschattig, Vordervorsatz etwas angerändert und geknittert, erste Blätter mit schwachen Knickspuren, etwas stockfleckig, einige Blätter am Kopf bzw. in der oberen Ecke etwas braunfleckig, Frontispiz und einige Musikbeilagen im weissen Rand etwas wasserfleckig, hinterer Innendeckel, hinterer Vorsatz und letzte Blätter mit 2 kleinen Wurmgängen und teils auch mit kleinem Braunfleck im Bundsteg (kein Text- oder Notenverlust), Blatt S. V/VI mit kleinem Randeinriss.

Von vermeintlich "unmoralischen" Stellen (vermutlich schon vom zeitgenössischen Erstbesitzer) "gereinigtes" Exemplar: 15 Strophen wurden ganz oder teilweise mit Tinte durchgestrichen und diese 15 Strophen dann vollständig, unter Verwendung der herausgetrennten Blätter, überklebt, einige der zur Zensur verwendeten Papierstreifen angelöst, einige weitere Stellen sauber mit Tinte "korrigiert"; so wurden in Gotters "Die Liebe" (Lied Nr. 17) aus "Ach was ist die Liebe für ein süsses Ding" nun "Ach was ist die Freude für ein süsses Ding", in Weisses "Lieb und Wein" (Lied Nr. 31) aus den Worten "Lieb" und "Liebe" die Worte "Lied" und "Lieder", in Goethes "Bundeslied" (Lied Nr. 39) aus "Stosst an, und küsset treu" nun "Stosst an, und knüpfet treu". Durchgestrichen und überklebt z. B. die letzte Strophe von Nr. 22 "Im Grünen": "Wir schenken aufs Wohl der Weiblein uns voll und äugeln mit ihnen" etc. - ein kurioses Beispiel privater "moralischer" Zensur der Goethezeit.

Bestellnummer : 13696