1. deutsch
Die seltene Originalausgabe (hebräisch) von 1936

Dessau, Paul (1894-1979) - Brod, Max (1884-1968)

Haggada / Hagadah shel Pessach. [Oratorium für Soli, Chor, Kinderchor und Orchester]. - 1. Klavierauszug [Originalausgabe 1936, mit hebräischem Text], verwendet bei der Uraufführung Jerusalem 1962. - 2. Klavierauszug mit deutschem Text, Arbeitsexemplar des Chordirigenten Horst Neumann (Chor des NDR) für die Einstudierung der deutschen Erstaufführung 1994. - Aus der Sammlung des Dessau-Biographen Dr. Fritz Hennenberg, mit umfangreichem Begleitmaterial.

[Wien], Jibneh Verlag (PN J.V. Nr. 360), 1936

EUR 2.400,00

I. 27x21 cm, Originalausgabe 1936, Seiten 5-228, [ohne Titelblatt, der musikalische Text komplett] einige handschriftliche Eintragungen. Grüner Halbleineneinband, das erste und letzte Blatt noch mit dem Einband fest verbunden, sonst der Buchblock aus dem Einband gelöst und vielfach in der Bindung in einzelne Lagen gebrochen, offensichtlich auch zur Erstellung von Kopien verwendet. Mit zwei Begleitschreiben von Shabtai Petrushka, (zum Zeitpunkt der Uraufführung Leiter der Musikabteilung von Kol Israel), einer Einführung von Paul Dessau über die Entstehung der Komposition ab 1933 und einer zweisprachigen (englisch-deutschen) Einführung von Max Brod von 1936: "The Haggadah of Paul Dessau - Wie unsere 'Hagadah' entstand". - II. 30x24 cm, 228 Seiten, Kopie des Klavierauszugs von 1936, mit Titelblatt der Israeli Music Publications und in Kopie handschriftlich eingetragener deutscher Übersetzung von Wulf Konold an Stelle des hebräischen Originaltextes. Plastikspiralbindung mit gelben Kartondeckeln, zahlreiche Eintragungen und Arbeitsspuren (Knicke, Klammern). Blätter fallweise doppelt in Kopie mit weiteren Eintragungen vorhanden. Mit separatem deutschen Text und Pressespiegel.

Die Originalausgabe des Jibneh-Verlages 1936, bei der Uraufführung von 1962 verwendet, von größter Seltenheit. - "Als Dessau im Jahre 1959 den einzigen Klavierauszug, den er hatte, Herrn Winawer übergab, drückte er seine Befriedigung darüber aus, dass sein Opus, das mit ihm von Land zu Land gereist war, nunmehr zum ersten Male in Israel zu Gehör gebracht würde." (Shabtai Petrushka an Dr. Fritz Hennenberg, 08.06.1984). Die Instrumentierung erstellte Paul Dessau anschließend für die Uraufführung, im Manuskript notierte er als Datum der Fertigstellung: "14.11. [19]61". - 1984 wurde der Klavierauszug dem Dessau-Biographen Dr. Fritz Hennenberg vom israelischen Rundfunkorchester, dem Orchester der Uraufführung, geschenkt (Bestätigungsbrief durch Shabtai Petrushka liegt bei). - Zur Entstehung des Werks: 1933 beschloss der Komponist Paul Dessau, wegen seiner jüdischen Herkunft und politischen Überzeugung in Paris im Exil, die Pessach-Hagadah, die Geschichte von der Befreiung der Kinder Israels aus der ägyptischen Sklaverei, als großes Oratorium zu vertonen, "...war ich doch eben dem 'Pharao' und dem ausgebreiteten Netz 'Ägyptens' [i.e. Hitler und das Naziregime] entflohen" (Dessau). Er konnte von Paris aus Max Brod, zu der Zeit noch in Prag, für dieses Projekt gewinnen, und Brod schrieb für Dessau das Libretto. Der ursprünglich deutsche Text wurde von Brods Mitarbeiter Georg Mordechai Langer ins Hebräische übertragen. 1936 war der Klavierauszug (mit hebräischem Text) fertig und erschien in Wien im jüdischen Musikverlag Jibneh. Eine geplante Uraufführung in Deutschland durch den jüdischen Kulturbund konnte wegen der ständig zunehmenden Repressalien und Verfolgungen nicht mehr realisiert werden. Chemjo Winawer, der später die Uraufführung in Jerusalem leitete, hätte das Werk auch in Deutschland dirigieren sollen, musste selbst aber 1937 emigrieren. 1962 schließlich wurde die "Haggada" (Hagadah shel Pessach) in Jerusalem uraufgeführt. - 1994, zum 100. Geburtstag von Dessau erfolgte eine weitere "Uraufführung" in Hamburg, der Geburtsstadt von Dessau, diesmal mit deutschem Text in der Übertragung von Wulf Konold.

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