1. deutsch

Messemaeckers, Henry (1778-1864)

La Cranologie, ou le Pouvoir des Bosses. Parole de Mr. de. T**, sur un Air tiré du troisième Cahier de Romances, avec Accompagnement de Piano [ou harpe].

Bruxelles, De l'Imprimerie de Weissenbruch (ohne PN), [ca. 1808]

EUR 280,00

32x25 cm, 3 Seiten gestochen, aufwändiger Titel mit eleganter Titelei in vierfacher Bordüre, Doppelblatt, Rücken geklebt, Titel mit 2 Steuerstempeln, "Enregistré à la Bibliothèque Impériale", stark stockfleckig.

* Von größter Seltenheit, in WorldCat/KVK kein Exemplar. - Zeitgenössische Parodie auf den deutsch-französischen Arzt und Hirnforscher Franz Joseph Gall (1758-1828), Begründer der Phrenologie. Gall studierte in Straßburg und Wien, wo er 20 Jahre lang als Arzt arbeitete. Ab 1796 hielt Gall Privatvorlesungen über Bau und Funktion des Gehirns. Neben der Erkenntnis, dass das Gehirn Zentrum aller mentalen Funktionen ist und Sinnes-, Gefühls- und Willensfunktionen mit der Gehirnrinde in Zusammenhang stehen, entwickelte Gall auch seine Theorie, dass sich besondere Eigenschaften an der Schädelform (Cranologie) ablesen lassen. Dazu sammelte Gall in Wien eine große Zahl von Schädeln, meist von Irrsinnigen oder Verbrechern, sowie viele Gipsbüsten bekannter Personen oder von Menschen mit besonderen Schädelbildungen. Kaiser Franz II. untersagte 1801 die Vorlesungen wegen Verstößen "gegen Moral und Religion" und ließ Gall 1805 aus Österreich ausweisen. 1807 ging Gall nach Paris, wo er mit seinen Theorien zunächst auf großes Interesse stieß und mit seiner Schädelkunde (Cranologie) einen wahren Hype auslöste, der auch eine Reihe von gesungenen Parodien auf bekannte Melodien hervorbrachte. Die BnF hat zwei dieser Scherzlieder von ca. 1808 in ihrem Katalog. Hier eine weitere, bislang nicht nachweisbare Parodie auf die Schädelformen ("Bosses"), erschienen in Brüssel bei Weissenbruch, einem für die belgische Musikgeschichte wichtigen Musikverlag (1795-1813), den Henri Messemaeckers, der Komponist dieser Parodie, 1814 übernahm.

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